Ist der Teufel nahe, sind es die Ratten auch

Als wäre es ein Auge und ist doch nicht viel mehr als das Überbleibsel eines von seinem Stamm getrennten Astes.

Wie wir aus alten Quellen hinlänglich wissen, hat uns der Teufel in vielen Gestalten im Visier. Sein Vorgehen ist dabei stets dasselbe, er braucht Verträge, in denen wir ihm für die Erfüllung unserer Wünsche die Seele verkaufen, denn Verträge mit dem Teufel unterschreibst du immer mit deinem Blut. Seid darum gewarnt, zu Zeiten von Pandemien, Angstmache und Freiheitsbeschränkungen ist er besonders aktiv – und ist der Teufel nahe, sind es die Ratten auch.

Über die Jahrhunderte hinweg hat man vergeblich versucht ihn von dieser Welt in die Unterwelt zu verbannen. Aber jeder Exorzismus wurde immer nur an seinem Träger und nie an ihm selbst betrieben. Vielleicht war das ja gewollt, denn eine Welt ohne ihn wäre viel zu gut und währte dank ihrer Paradieses-Affinität wohl ewiglich. Wir wüssten mit der Zeit nichts mehr anzufangen und die Langeweile triebe uns um. Aus nüchterner Sicht betrachtet besteht hierzu aber keine Veranlassung, denn solange es Geld Gold Gier und Geiz gibt, folgen Falschheit, Trug und Hinterlist auf dem Fusse und das Spiel der Illusionen kann von neuem beginnen.

Um die Zahl der Besessenen und Verblendeten im Zügel zu halten erfand man die Psychoanalyse. Sie ist das moderne Pendant zum herkömmlichen Exorzismus. Kräuter, Salben und komplexe Chemietherapien sind flankierende Massnahmen dieser Neo-Therapie. Derselbe Kampf also aber ebenso wirkungslos wie die Vorgängermethode. Macht- und Grössenwahn sind nicht behandelbar, darin sind sich die Ärzte des Neoliberalismus einig.

Ob Teufel, Banker oder Grossindustrieller, die Ziele und das, was sie von dir wollen, sind immer dieselben: sie geben dir leere Versprechungen, lassen dich Verträge unterschreiben und instrumentalisieren dich für ihre Zwecke. Wirst du kritisch, innovativ oder weigerst dich, dann gibt’s die Peitsche. Und wehe, du kannst deine Schulden nicht mehr bezahlen. Dann, ja dann schnippen sie eben mal kurz mit den Fingern und du zerfällst wieder zu Sternenstaub. Denn wir, die blökende und meckernde Herde auf den Wiesen der Demokratien sind zwar zahlreich aber dennoch nur dummes, eingezäuntes Vieh und in ihren Augen jeder Zeit austauschbar.

Auch der Vorgang der Machtausübung ist meist derselbe; sie blenden uns mit Blattgold bis wir von ihrer Gier infiziert sind und mit blutigen Gaumen an der Angel ihrer Rute zappeln. Unsere Arbeit in ihren heiligen Hallen, wo wir für sie die kostbare Hehler Ware produzieren und weiterverarbeiten, vergelten sie uns mit Falschgeld (meine Interpretation von Fiat-Geld). Und wachen wir eines Tages auf und sind zu alt zur Arbeit, dann verhungern wir, weil ihr Geiz es nicht zulässt, uns auf Dauer unproduktiv am Leben zu lassen. Bringt nichts mehr und kostet nur.

Fazit: ist der Teufel nahe, sind es die Ratten auch und mit ihnen die großen Krankheiten, wie die Pest, die Spanische Grippe und andere. Sein weiteres Umfeld ist atmosphärisch erfüllt von Angst, Krankheit Schmerz und Leid; seine Tage verkehren sich zu unserer Nacht; Niedertracht jeglichen Couleurs, Mord Totschlag Raub und Geschrei, erfüllen die Strassen und Gassen. All die Unglücklichen, die ihm zu nahe kommen, werden siech und sterben. Im Fernsehen predigt man zwischenzeitlich Hygiene und Abstand und singt schöne Lieder, damit wir besser einschlafen. Ach wie sehr wir doch an das Gute glauben möchten, wären da nicht dauernd diese schrecklichen Träume.

Es ist unser Glück, dass sich der Teufel öfters mal Ruhe gönnt und seine Drecksarbeit an andere, weniger talentierte Akteure delegiert. Das stimmt mich zuversichtlich, denn deren Texte sind uns vertrauter und ihre Ränke schneller durchschaubar. Dies macht uns hoffentlich vorsichtiger und schürt unser Misstrauen. Ob unmusikalische Dienstleister, Posaune blasende Politiker, Klarinette dudelnde Wissenschaftler, Harfen zupfende Anwälte, Flöten blasende Ärzte, Pauken schlagende Militärs – oder die übelsten unter ihnen, die «Ratten» – deren Handlanger, sie alle strengten sich vergeblich an. Dies alles mag sich überholt und manieriert anhören, ich weiss, aber jeder Traum geht mal zu Ende, auch der schlechteste Alptraum.

Und wäre ich dann ein Sänger, dann schrieb ich nach dem Erwachen schnell ein neues Lied. Versprochen!

Veröffentlicht von Proteus on fire

Freischaffender Feuilletonist

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