Immer gut, einen Trump im Ärmel zu haben

Als erfahrener Spieler weiß man: „Es ist gut, in jedem Spiel wenigstens einen Trumpf im Ärmel zu haben“. Mein Pech, das ich nicht zu jener Sorte Spieler passe. Meist setze ich mich an den Tisch und habe das Spiel schon verloren, bevor ich überhaupt dazu gekommen bin, meine Karten aufzunehmen und zu ordnen. Da ich erwiesenermaßen kein guter Spieler bin, habe ich mich folglich darauf fokussiert, mein Glück in anderen Dingen zu suchen. Etwa in einem Sonnenuntergang beim Abendspaziergang nach einem anstrengenden Tag. Und da habe ich dann meist mehr Glück, was aber nicht sonderlich verwunderlich ist, da man mit einiger Sicherheit davon ausgehen kann, an einem ruhigen Sommerabend ohne Gewitterwolken tatsächlich in den Genuss eines flammenden Abendhimmels zu gelangen.

Das bringt mich auf etwas ganz Anderes: vielleicht sollte man sich überhaupt angewöhnen, in den schönen Dingen nur kalkulierbare Risiken einzugehen. Das bewahrt uns vor Enttäuschungen und schärft den Blick für ein ruhiges Abwägen in Situationen, wo man sich entscheiden soll. Wenn Corona mich eines gelernt hat, dann das Erlebnis, wie wunderbar duftend und würzig und voller Vogelstimmen die Natur ist, wenn man sie ungestört walten lässt; kein Fluglärm, keine Autos, kein Benzindampf und vor allem keine Hektik.

Wenn man sich nicht zu sehr einschüchtern ließ und nicht in jedem Trash mit mistete, den einen die Medien täglich 16 Stunden lang vom morgen früh bis in den Abend spät auftischten, verfiel man in einen ganz anderen Ausnahmezustand, man fühlte sich glücklich und teilte ein besonderes Gefühl mit anderen, nämlich, dass die Welt uns geschenkt ist.

Doch was hat das mit Donald Trump, dem gegenwärtig amtierenden Präsidenten zu tun. Wenig und doch viel. Man sagt, er, Putin und Xi Jinping teilten die Welt nach Belieben unter sich auf. Man verspottet einander, man stößt Drohungen aus, man entwickelt Visionen, wie die Welt dereinst ausschauen soll. Das ist insgesamt Geplänkel und soll es auch bleiben. Mögen sie sich artikulatorisch attackieren, was soll’s. Das nimmt keiner richtig ernst. Zum Glück auch nicht, wenn man den Mann auf der Straße fragt, dann hört man immer nur eines: „Krieg? Warum denn Krieg? Ich will keinen Krieg. Da gibt’s für keinen was zu gewinnen und wir alle sind die Verlierer.“

Woher ich die Zuversicht für eine friedliche Welt herhole? Nun, ich habe gewissermaßen eine kalkulierte Risikoanalyse gemacht, und bin zum Schluss gekommen, dass ich in diesem Glücksspiel noch einen Trump im Ärmel habe. Er mag sein, wer er will, eines ist sicher, im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern hat er in den bisherigen Präsidialjahren noch keinen Krieg geführt. Das macht ihn zwar zu keinem Vorzeigemenschen und auch nicht zu einem Helden, aber es schenkt uns eine gewisse Stabilität und Ruhe für die anderen Dinge des Lebens, die weit wesentlicher sind, als Kriege um Ressourcen auf Kosten von Menschenleben.

Machen wir es wie bei Corona, spielen wir mit, lassen uns aber von den Mitteilungen und Meldungen nicht zu sehr in die Depression reißen und genießen das, was uns aktuell geschenkt bleibt. Die Welt gehört weder den Großmäulern, noch den Ränkeschmieden, auch nicht den Superreichen und schon gar nicht den Dummköpfen. Darum sollte jeder schauen, dass er auf seine Bedürfnisse zugerichtet, stets einen Trumpf im Ärmel mit sich führt. Wem das zu wenig ist, dem möchte ich abermals in Erinnerung rufen, dass keiner von uns das Leben gepachtet hat.

Veröffentlicht von Proteus on fire

Freischaffender Feuilletonist

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