Hänsel und Greta – das etwas andere CO2-Märchen

Die aufwühlende Geschichte vom unbändigen CO2-Ausstoß beginnt nicht beim Alltagsverkehr und endet auch nicht mit Greta T. Ich will es vorwegnehmen, in dieser Version des Märchens wird das Hänsel außen vorgelassen. Es wird schon in den ersten Tagen des Aufenthalts im Knusperhäuschen von der bösen Hexe aufgefressen. Und das Gretel heißt auf Schwedisch Greta. Und weil die verlogenen Eltern, die ihre Kinder absichtlich im Wald ausgesetzt hatten, sich so gar nicht schämten, schickten sie zum Schein die Jäger in den Wald, hofften aber, sie würden Hänsel und Gretel endlich los sein. Doch weit gefehlt, Greta vermochte sich vor dem Kannibalismus der Hexe zu befreien und wurde heil nach Hause zurückgebracht.

Greta fand psychologisch gesehen durch die Erlebnisse, ausgesetzt und heimatlos im dichten Wald, zu Bewusstsein, indem sie zuerst auf das Knusperhäuschen traf und so sich dann auch wieder die Tür nach Hause zu öffnen vermochte – unbewusst natürlich. Trotz Hunger und Angst hatte Greta im Walde aber bemerkt, wie gut es da roch: das Moos, die Blumen, das Tannenharz. Und anstelle des lauten Getöses von Motoren, Hupen und Sirenen, umgab sie im dunklen Wald nur Stille, das Summen vereinzelter Bienen und das leise Brechen von Ästen verängstigt herumirrender Rehe.

Das hatte ihr gefallen und darum beschloss sie, kaum wieder zu Hause in der Stadt, dass sie fortan zu Fuß, per Schiff und im Zug unterwegs sein werde, um überall auf der Welt für die Zukunft der Jugend und gegen die Klimaerwärmung zu kämpfen. Ihre Helfershelfer und Wegbereiter hatten ihr erklärt, dass es vor allem der Individualverkehr sei, der an den Polen nage und das Weltklima aus dem Gleichgewicht bringe. Man stellte das klug an und nutzte die Unschuld der jungen Frau. Indem sie voller Eifer und Hartnäckigkeit gegen Abgase, Lärm und Rastlosigkeit ankämpfte, wurden die erfahreneren Menschen so vom Eigentlichen abgebracht.

Man sah plötzlich darüber hinweg, dass weltweit das Militär am meisten zur Luftverschmutzung und zur Klimaerwärmung beitrug, dicht gefolgt von der Bauindustrie und der Landwirtschaft. Greta verbreitete munter weiter das CO2-Märchen vom Individualverkehr. Die politischen Interessenvertreter europaweit nahmen dankbar das Engagement der beherzt auftretenden jungen Frau auf und führten in allen Staaten schrittweise CO2-Gebühren ein. Dies mochte vielleicht den einen oder anderen Autofahrer einsichtiger gemacht haben, änderte indes aber nichts daran, dass die anderen drei Player im Klimastreit munter weiter CO2 vertrieben.

Während im richtigen Märchen die Menschen beim Zuhören plötzlich einhalten und zur einzig richtigen Einsicht gelangen, dass es verderblich sei, sein Leben der Versuchung und dem Ringen nach Geld und Reichtum zu verschreiben, bleibt diese wichtige Zusatzerkenntnis im beherzt inszenierten Greta-Märchen aus. Ohne diese Einsicht wird sich nämlich niemand finden, der die böse Hexe in ihrem Knusperhäuschen beherzt in den Ofen stoßen wird und uns so psychologisch aus diesem Teufelskreis von monetärem Haben, Wollen, Verdienen und Erlangen befreien würde.

Nicht das CO2 ist schuld an den widrigen Umständen. Ursache ist unsere Handhabung des Alltags im Streben nach Geld und Macht. Es braucht keine Klimabewegung, es reicht ein sich in Erinnerung rufen des Grimm-Märchens „Hänsel und Gretel“.

Veröffentlicht von Proteus on fire

Freischaffender Feuilletonist

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