Atemlos Getriebene von einem Hype zum nächsten

Racheengel oder Schicksal, wer oder was hält uns ausser Atem?

Was die Welt zurzeit in Atem hält, mit welcher Hektik und Kreisläufigkeit dies geschieht, erinnert mich spontan an den 1998 erschienen Film „Lola rennt“ von Regisseur Tom Tykwer. Der Filmtitel verrät es, der Zuschauer verfolgt während 80 Minuten atemlos eine rennende Frau. In drei Wiederholungen startet die Geschichte jeweils neu. So, ja genau so geht es mir in den vergangenen drei Monaten mit Corona und jetzt mit den amerika- und europaweiten Demonstrationen gegen Rassenhass und polizeiliche Gewalt an Schwarzen. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere und Hiob, das sind wir alle.

Zuerst bringen die Führenden dieser Welt unser Leben wegen der Pandemie angeblich zum Schutze unserer Gesundheit praktisch zum Stillstand. Vermutlich geht es dabei eher um das privatisierte, personalgestraffte und finanzgekürzte Spitalwesen. Dann leben wir eine Weile in Quarantäne, haben Ausgangsverbot, gehen in Kurzarbeit oder verlieren unseren Job. Milliarden und aber Milliarden Kredite werden zur Abfederung der Not lockergemacht. Und kaum weicht die Angst vor der Pandemie spricht man von der Krise danach. Von Inflation ist die Rede, von Bankrott und von Wirtschaftskrise. Und als wäre es der Angstszenarien noch nicht genug, werden wir kopfüber in Massendemonstrationen gestürzt. Chancenlos das eine zu verdauen und uns zu fassen, um der vielleicht düsteren wirtschaftlichen Zukunft mutig zu begegnen, prägt Atemlosigkeit und Hektik unseren Alltag.

Man hatte gemerkt, wie schnell die Hebel der Demokratie mit Hilfe eines Angstmachers umgelegt werden können und sie selbst unter den Tisch gekehrt wird. Man fängt sich notgedrungen an zu fragen, in was für einer Welt man tatsächlich lebt. Auch kann man sich jetzt eine lebhafte Vorstellung davonmachen, was geschehen kann, wenn Menschen ihre Autonomie aufgeben und medien- und obrigkeitshörig werden und ihre Persönlichkeit hinter eine Hygienemaske zurückhalten. Und ein freies Volk der Dichter, Denker und Seher, fällt in den Tiefschlaf – kein Wunder, wenn man am Tropfen der Obrigkeit hängt.

Eigentlich sollte man jetzt froh sein, dass es bereits wieder hinreichend Gründe gibt, aufzuwachen und erneut zu zittern. Stürzen wir uns etwa blindwütig amerika- und europaweite in eine eskalierende Gewaltwelle, die womöglich hier und dort in einen Bürgerkrieg ausarten könnte. Was hat es mit diesem George Floyd auf sich? Welchem Albtraum entsprang dieser Polizistenmord? Warum vermag gerade diese Gewalttat die Menschen derart in Rage zu bringen. Und wer schürt diesen Hass noch zusätzlich und zu welchem Zweck? Wäre es für den Moment nicht genug? Zeit zum Einhalten und Nachdenken, sich sammeln und neu formatieren? Die nächste Revolution kommt bestimmt, kann das nicht noch etwas warten?

Frommes Wunschdenken, denn zu alle dem sorgt ein auf Wahlkampf programmierter Präsident Trump ausgebufft in kurzen Zeitabständen für einen Trommelwirbel um den anderen. Aber keiner, weder Freund noch Gegner, wagt wegen der bevorstehenden Wahlen nachhaltig Entscheide zu treffen, um dem ganzen Irrsinn endlich ein Ende zu bereiten. Alles wirkt überstürzt, planlos und atemlos, als ob wir uns immer wieder rennend auf der Flucht vor einem jedes Mal anderen Feind befänden.

Da droht man tatsächlich irre zu werden, die Orientierung und den Glauben an das Gute zu verlieren – man wird zumindest kurzatmig und andere werden krank. Die Grenzen zwischen Risikogruppen beginnen sich zu verwischen und plötzlich wird alles zur Gefahr und die schiere Fülle der Mitteilungen in getakteten Abständen schwappen wie gischende Brandung eines windgepeitschten Meeres über uns hinweg. Halt, stopp, ich will das nicht, ich gehe jetzt mal auf Mediendistanz. Mir reicht es!

Veröffentlicht von Proteus on fire

Freischaffender Feuilletonist

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